Prokontex GmbH

INITIATIVBEWERBUNG

Elternzeit als Vater – Persönliche Gedanken und Tipps

T. Schmidt

Elternzeit – für Arbeitnehmer ist es auch in der heutigen Zeit nicht einfach, Beruf und Familie zusammenzubringen, ohne dabei die eigene Karriere aufs Spiel zu setzen. Die Elternzeit wurde eingeführt, um Eltern die Verknüpfung beider Lebensbereiche zu erleichtern. Ohne die eigenen Job- und Karrierechancen in Gefahr zu bringen, bietet diese Zeit die Möglichkeit ganz bewusst und intensiv, die ersten Lebensmonate des Kindes zu erleben.

Die Natur hat es so eingerichtet, dass jeglicher Schmerz frisch gebackener Mütter wie weggeblasen ist, sowie der junge Erdenbürger das erste Mal in ihren Armen liegt. Ist für Väter die Geburt eines Kindes auch nicht im Entferntesten mit diesen Anstrengungen vergleichbar, sind diese aber, spätestens beim ersten Anblick, nicht weniger in ihren Nachwuchs vernarrt.

Der Gesetzgeber räumt Müttern sowie Vätern die Möglichkeit ein, die ersten Monate nichts von ihrem Schatz zu verpassen. Die Elternzeit ermöglicht es den Eltern eine unbezahlte Arbeitsfreistellung in Anspruch zu nehmen, um sich um den Nachwuchs kümmern zu können. Handelt es sich hierbei um den Vater des Kindes, spricht man hier auch von Vaterschaftsurlaub, wobei definitiv klarzustellen ist, dass es sich hier um alles andere als „Urlaub“ handelt!

Elternzeit – bei Vätern immer beliebter

Elternzeit – Ängste unbegründet

Für viele Väter scheint es immer selbstverständlicher zu werden: die Auszeit vom eigenen Beruf und die ausschließliche Widmung dem eigenen Kind für einen Zeitraum bis zu 36 Monate.

Haben im Jahr 2017 in den ersten drei Quartalen noch 448.630 Väter und 2,5 Millionen Mütter hierzulande Elterngeld bezogen (7 Prozent mehr als 2016), waren es bereits zum Ende des 3. Quartals 2018 knapp 480.000 Väter (2 531 779 Mütter). Das entspricht einer (erneuten) Steigerung von 7 % gegenüber 2017. Nachfolgende Grafik zeigt den Elterngeldbezug getrennt nach Müttern und Vätern. Eine weitere positive Meldung vorweg:

Gehen Männer in Elternzeit, haben sie, unabhängig von der Dauer der Auszeit, keine Nachteile in Bezug auf ihren aktuellen Stundenlohn zu befürchten. Einzige Ausnahme: Der Wechsel in eine Teilzeitstelle. Dies scheint der hauptsächliche Grund dafür zu sein, dass nach wie vor Frauen die Mehrheit der Elterngeld-Empfänger bilden. Während gerade mal jeder 20. Vater in Teilzeit arbeitet, verzichten immerhin 3/4 aller Mütter ganz auf ihren Job oder arbeiten in Teilzeit.

Elterngeldbezug nach Monaten

2017 Bezugsdauer von Elterngeld nach Geschlecht. Mit Scrollen über die Statistik entnehmen Sie die exakte Anzahl an Monaten von Männern und Frauen. Quelle: Statista

Persönliche Eindrücke eines Vaters in Elternzeit

Wir haben einen Mitarbeiter der Prokontex nach seinen persönlichen Erfahrungen mit der Elternzeit in Kombination mit der eigenen beruflichen Anstellung befragt. Nachfolgend erläutert uns der Neu-Vater und angehender Elternzeitnehmer seinen persönlichen Eindruck und seine Erlebnisse bezüglich des Themas „Elternzeit in spe“.

Bedenken gehören dazu

Als Mann in Elternzeit zu gehen, ist tatsächlich mit höherer gesellschaftlicher Aufmerksamkeit verbunden, als vielleicht vorher gedacht. Sobald die Entscheidung feststeht, konfrontieren einen Menschen im nahen Umfeld immer wieder mit Themen wie Entscheidungsfindung, Ängsten, Umsetzung etc. Anfangs ist man sich noch gar nicht sicher, wie lange man sich eigentlich diese „Auszeit“ für die Familie nehmen möchte. Relativ schnell stellt sich dann auch schon die Sorge ein, dass es Arbeitgeber, Freunde, Bekannte und eventuell auch Familie als „komisch“ oder „nicht männlich“ empfinden, wenn der Herr des Hauses plötzlich zum Hausmann wird.

Existenzangst

Plötzlich steht man als angehender Elternzeitnehmer vor (unberechtigten?) Existenzängsten, die die Karriere und Stellung beim aktuellen Arbeitgeber betreffen. Wird man seitens des Arbeitgebers auf ausreichend Verständnis für die Situation treffen? Denn, nicht zu vergessen, rein betriebswirtschaftlich gesehen, ist es für den Arbeitgeber ein gewisses Risiko. Schnell treten Fragen auf. Wie Leistungsfähig wird der Mitarbeiter nach der Auszeit sein? Verändern sich eventuell berufliche Wünsche des Mitarbeiters? Überwiegt eventuell das private Interesse und steht im Konflikt mit den betriebswirtschaftlichen Zielen des Unternehmens?

Kurzum: Kann der Arbeitgeber diesen Mitarbeiter nach der Elternzeit so einplanen wie zuvor oder werden sich drastische Änderungen ergeben?

Verschiebung der Machtposition

Viele gesetzliche Vorschriften prasseln plötzlich auf den Arbeitgeber ein und es gibt kaum Spielraum für „Mitsprache“ bei der Entscheidung des Mitarbeiters. Mit dieser Verschiebung der Machtsituation hat nicht nur der Chef, sondern auch der Mitarbeiter zu kämpfen. Als Vater, aber auch Mitarbeiter, möchte man nicht denken, dass der eigene Arbeitgeber sich eventuell gezwungen oder genötigt fühlt, schließlich möchte man ja nach der Elternzeit wieder ganz normal arbeiten gehen, ohne ein belastetes Arbeitsverhältnis zum Arbeitgeber. Vorherige Recherchen im eigenen Bekanntenkreis haben gezeigt, dass es in Betrieben mit Mitarbeitern, die in Elternzeit gegangen sind, oftmals nach der Rückkehr, schnell zu einer Trennung des Arbeitsverhältnisses gekommen ist. Somit haben Väter oft einen gewaltigen „Gefühlscocktail“ zu bewältigen.

„Problem“ erkannt, „Problem“ gebannt

Ist einmal der Entschluss gefasst, sollte man frühzeitig über dieses Thema mit allen Personen sprechen, bei denen man eventuell die Befürchtung hat, es gäbe kein Verständnis für die eigene Entscheidung. Meist wird man nämlich positiv überrascht. Unabhängig von Alter oder gesellschaftlicher Stellung bringen einem die Leute tatsächlich Bewunderung entgegen.

Für das vermeintliche Problem mit dem Arbeitgeber überlegte sich unser befragte Vater eine Lösung, bevor es überhaupt ein Problem gab: Er ging frühzeitig auf seinen Arbeitgeber zu und erarbeitete gemeinsam mit ihm das weitere Vorgehen, um wirklich alle Interessen zu wahren. Der Arbeitgeber empfand diese Art und Weise der Kommunikation als positiv. Das Ergebnis war ein gut ausgearbeiteter Plan für die Überbrückung der Elternzeit.

Viele Ängste sind tatsächlich unbegründet. Der Wandel der Zeit verlangt einfach, dass sich, Männer wie Frauen, beide um Ihren Nachwuchs sowie Ihre Karriere kümmern können. Das klassische Rollenbild bricht auf und Veränderung bringt oft Sorge um die Zukunft mit sich. Ganz Normal!

Das persönliche Fazit unseres befragten Vaters zu der Sache ist, dass es absolut kein Problem ist, als Mann in die Elternzeit zu gehen. Wichtig ist neben dem persönlichen Umdenken des Rollenbildes, ganz offen und ehrlich mit seinem Arbeitgeber zu sprechen und gemeinsam, ohne unnötigen Druck aufzubauen, eine Lösung zu erarbeiten.

Lösungsansätze erarbeiten

Das regelmäßige (telefonische) Austauschen, auch innerhalb der Elternzeit, oder hier und da mal ein gemeinsames Mittagessen mit den Kollegen, um weiter im Bilde über die Situation (aktuelle Projekte etc.) zu bleiben, kann ein guter Kompromiss sein. Nicht nur fällt der Einstieg im Anschluss leichter, sondern der Arbeitgeber sieht, wie stark weiterhin das Interesse an der Unternehmung ist. Natürlich ist es von großer Wichtigkeit, sich umgehend um eine Vertretung für diese Zeit zu bemühen und Projekte so zu übergeben, dass diese mit Erfolg zu Ende gebracht werden können. Mit diesem Schritt und der Bereitschaft zum Dialog können Sorgen genommen und Chancen erkannt werden.

Des Weiteren können Kollegen, die vielleicht bisher bestimmte Aufgaben nicht übernehmen konnten, sich nun in genau diesen beweisen und aufgrund der Abwesenheit des Kollegen fachlich wachsen. Auch der Mitarbeiter, der in Elternzeit geht, wächst an dieser Aufgabe und hat damit die Chance mit einem stärkeren Set an Softskills ins Unternehmen zurückzukehren.

Elternzeit – gesetzlich geregelt

Maximal 36 Monate und direkt ab der Geburt des Kindes dürfen Müttern wie Väter in Elternzeit gehen. Dabei ist es möglich, die Elternzeit zu splitten. Für die Eltern besteht in der Regel dieser Anspruch bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres. 24 der insgesamt 36 Monate dürfen jedoch auch zwischen dem dritten Geburtstag und der Vollendung des achten Lebensjahres des Kindes genommen werden. Die übrigen 12 Monate müssen jedoch in den ersten drei Lebensjahren des Kindes genutzt werden.

Elternzeit gesetzlich geregelt

Die Elternzeit lässt sich zwischen Vater und Mutter aufteilen. Der Mutterschutz wird auf die Elternzeit angerechnet und verlängert sich daraus resultierend nicht. Die Mutter kann somit bspw. das erste Jahr mit dem Kind zu Hause bleiben und der Vater sie im Anschluss daran ablösen. Alternativ können beide die Elternzeit auch gleichzeitig in Anspruch nehmen.

Antrag stellen – bis wann?

Möchten Sie innerhalb der ersten drei Lebensjahre des Kindes in Elternzeit gehen, muss der Antrag spätestens sieben Wochen vorher gestellt werden.

Planen Sie den Zeitraum zwischen dem dritten und achten Lebensjahr des Kindes als Elternzeit, so muss der Antrag spätestens 13 Wochen vor Beginn der Elternzeit beim Arbeitgeber gestellt werden.

Fazit: Auch wenn eine von Vätern genommene Elternzeit noch lang keine Heldentat ist, so muss diese Zeit dennoch gut geplant sein. Dasselbe gilt für die Zeit danach. Alt aktiver Vater stärkt man die kindliche Entwicklung, mindert den Druck auf Betreuungsmöglichkeiten und entlastet zudem die Partnerin. Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist und bleibt dabei aber der Arbeitgeber, denn es gilt: Ohne familienfreundliche Chefs, keine „neuen“ Väter!

Tipp: Verpassen Sie an dieser Stelle nicht die „Fortsetzung“ und den Erfahrungsbericht des von uns befragten Prokontex Mitarbeiters in Elternzeit ab Oktober 2019!